Spätsommer in Berlin bedeutet: Das Wetter kann sich nicht entscheiden. Ein kurzer Schauer, dann reißt der Himmel wieder auf und die Sonne knallt, als hätte es nie geregnet. Genau in diesem Wechsel liegt für die kameralose Fotografie eine Einladung, der ich letztes Wochenende nachgekommen bin.
Kurz nachdem ein Schauer abgezogen war, habe ich ein Blatt photosensitives Papier auf meinen Gartentisch gelegt und mit einer Glasplatte abgedeckt. Die Platte war noch von unzähligen Regentropfen benetzt – kleine Linsen, jede für sich, unregelmäßig über die Fläche verteilt. Kein Motiv, keine Kamera, keine Kontrolle über die Komposition. Überall dort, wo die Tropfen das Licht bündelten oder abschirmten, veränderte sich die Belichtung des Papiers – die Umrisse der Tropfen schrieben sich als Muster in Preußischblau ein.
Das Ergebnis ist kein Abbild von irgendetwas, sondern die Spur eines meteorologischen Moments: Regen, der gerade aufgehört hat, und Sonne, die gerade wieder anfängt, zu scheinen.
